3 fiese Stolperfallen in Ihrem Rentenbescheid

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Ab dem 27. Lebensjahr erhält jeder, einmal jährlich, von der Rentenversicherung automatisch einen sogenannten „Renteninformation“ zugeschickt. Dieses Renteninformationsschreiben erhalten alle Versicherten bis zum Beginn ihrer Rente. Anhand dessen, soll der Versicherte nachvollziehen wie sich seine Rentenansprüche im Laufe der Jahre entwickeln. Doch nur die wenigsten verstehen, wie sie Ihren zukünftigen Rentenanspruch anhand des Informationsschreibens errechnen können.

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Der folgende Beitrag erklärt Schritt für Schritt, wie Sie Ihren zukünftigen Rentenanspruch anhand der Renteninformation selber errechnen können. Darüber hinaus wird hier auch auf allgemeine Denkfehler und Stolperfallen hingewiesen.

Am Ende dieses Berichtes haben Sie die Möglichkeit diesen Leitfaden auszudrucken, um dann in Ruhe Ihre eigenen Berechnungen anhand Ihrer persönlichen Daten aufzustellen.

Wenn Sie sich Ihren Rentenbescheid nehmen, sehen Sie auf den ersten Blick drei Werte:

Wert 1: Aktueller Anspruch auf eine monatliche Rente bei Erwerbsminderung.
Wert 2: Rentenanspruch nach heutigem Stand.
Wert 3: Zukünftige monatliche Rente, bei erreichen des Rentenalters. (Voraussetzung, dass bis zum Renteneintrittsalter das Einkommen gleich bleibt.)

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Doch bevor wir uns weiter mit dem Kleingedruckten und den darin enthaltenen Stolperfallen beschäftigen, sollten wir uns noch kurz den Aufbau des deutschen Rentensystems vor Augen halten.

Das Rentensystem ist vielmehr ein „Punktesammel-System“. Der Durchschnittsverdiener (ca. 35.000 Euro brutto pro Jahr) erhält pro Jahr einen Sammelpunkt. Verdienst man 60.000 Euro und mehr pro Jahr, erhält man zwei Sammelpunkte pro Jahr. Das heißt, es gibt maximal zwei Punkte pro Jahr, unabhängig davon ob man 60.000 Euro oder 90.000 Euro oder mehr verdient. Dies hängt mit der Beitragsbemessungsgrenze zusammen, welche die sozialversicherungsabgaben deckelt. Die mit den Jahren gesammelten Punkte werden zusammengezählt und mit dem Rentenwert multipliziert. Auf diese Weise wird die monatliche Rente errechnet. Diese Information finden Sie auf der 2ten Seite Ihres Steuerbescheides.

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Aus diesem Punktesammel-System resultiert die erste Stolperfalle für Besserverdiener. Die Problematik hier ergibt sich aus der langen Ausbildungsdauer, die Gutverdiener in den meisten Fällen, aufgrund von Abitur, Studium, etc., mit sich bringen. Menschen, die einen Realschulabschluss und eine Ausbildung durchlaufen haben, beginnen schon früher in die Rentenkasse einzuzahlen als Menschen mit Abitur und Studium. Diese Zeit, können Besserverdiener nicht wieder aufholen, egal wie viel sie verdienen, da es nie mehr als zwei Rentenpunkte gibt. Vorteil der Besserverdiener ist, dass ihnen mehr Kapital zur Verfügung steht, welches sie gewinnbringend anlegen können. Nichtsdestotrotz sollte man sich diesen Punkt vor Augen halten, denn auch Akademiker sind von der Altersarmut nicht ausgenommen.

Zurück zum Rentenbescheid und zum Punkt „Rentenanpassung“. Dieser Absatz besticht durch seine Konjunktive: könnte, würde, sollte, etc. In diesem Beispiel wird eine künftige monatliche Rente von 1.663 Euro zugrunde gelegt. ABER Nichts Genaues weiß man nicht und da die deutsche Rentenversicherung auch keine Informationen über die zukünftige Entwicklung der Renten hat, stellt sie dem Versicherten zwei Szenarien zur Verfügung.

Szenario 1: die Renten werden um 1% angepasst. Neue monatliche Rente = 2.280 Euro.
Szenario 2: die Renten werden um 2% erhöht. Neue monatliche Rente = 3.130 Euro

Für die weitere Berechnung der Rente wählen wir den Mittelwert aus Szenario 1, nämlich eine Rentenanpassung von 1% also 2.280 Euro. In diesem Beispiel soll der Versicherte in 31 Jahren (Beginn Regelaltersrente 2046) voraussichtlich einen monatlichen Betrag von 2.280 Euro erhalten.

Und auch hier sind wir schon bei Stolperfalle Nr. 2 angelangt. Dieser Wert ist nämlich NICHT inflationsbereinigt. Anhand des „Barwertrechners“ der deutschen Rentenversicherung, ergibt sich eine inflationsbereinigte Rente von 1.234 Euro. Es wurde eine Inflation von 2% zugrunde gelegt.

(Anmerkung: Die durchschnittliche Rentenanpassung der letzten 10 Jahre, 2004 – 2013, betrug 0,8%, die durchschnittliche Inflationsrate im gleichen Zeitraum betrug 1,7%)

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Stolperfalle Nummer drei liegt darin, dass sowohl die 2.280 Euro, also auch die bereinigten 1.234 Euro Brutto Werte darstellen! D.h. es kann und darf nicht damit gerechnet werden, dass der volle Betrag zum Begleichen der monatlichen Ausgaben zur Verfügung steht. Von dieser Brutto Rente müssen noch Steuern, Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt werden.

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Die weitere Rechnung sieht dann (grob überschlagen) wie folgt aus:

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Fazit: Von den, relativ positiv geschätzten, 2.280 Euro monatlich, bleiben defacto 863 Euro zum Leben übrig. Im schlimmsten Fall ist mit einem noch geringeren Betrag zu rechnen. Jetzt kann jeder für sich selbst überlegen, wie sich das Leben als Rentner zukünftig gestalten wird und geeignete Gegenmaßnahmen einleiten.

Doch bevor Sie jetzt panisch werden und womöglich den Fehler begehen, eine Riester Rente abzuschließen, schauen Sie sich bitte vorher den Beitrag über „Das Riester-Dilemma“ an. Alternativen wie Sie Ihr Geld sinnvoll und Gewinnbringend anlegen können finden Sie im Artikel „3 Alternative Ideen zum Vermögensaufbau“.

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