Inflation, Deflation und Wechselkurse

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Die Zinsen auf einem Sparkonto sind lediglich dafür da, die Kaufkraft des sich dort befindenden Kapitals zu erhalten. Von dem sogenannten nominellen Zinssatz (was die Bank einer Privatperson an Ertrag pro Jahr auszahlt) muss die Inflationsrate abgezogen werden. Was übrig bleibt (wenn denn etwas übrig bleibt) ist der Realzins. Dies ist der Zuwachs an Kaufkraft pro Jahr. Wichtig ist nämlich nicht, dass die Zahl des Sparkontos steigt, sondern die Kaufkraft.

Beispiel: Heute hat Herr Mustermann 10.000 EUR, für die er ein Auto erwirbt.

Wenn Herr Mustermann die 10.000 EUR aber anlegt und dafür kein Auto kauft, werden ihm von der Bank jährlich Zinsen (z.B. 2%) gezahlt. Nach einem Jahr hat er also 10.200 EUR. Wenn die Inflation allerdings bei 4% liegt, kostet das selbe Auto nun 10.400 EUR. Herr Mustermann hat nun zwar mehr Geld, jedoch hat sich seine Kaufkraft verringert. Eben so ist es derzeit in den USA. Der Leitzins liegt bei genau 0%. Banken dürfen sich also, seit der Finanzkrise 2008, Geld für 0% Zinsen leihen. Die Inflation lag 2011 bei 3%. Der nominelle Zinssatz eines Sparkontos nur bei ca. 1,25%.

Nomineller Zins – Inflation = Realzins | 1,25% – 3% = -1,75%.

Die Kaufkraft hat sich, trotz Wachstum in der Geldmenge, verringert. Nun könnte man denken, dass es bei Arbeitnehmern ähnlich ist. Nur selten hört man von einem Lohnzuwachs. Eher werden Gelder, wie z.B. das 13. Monatsgehalt oder teilweise das Weihnachtsgeld, gestrichen. Doch die Gewerkschaften achten darauf, dass die Gehälter jährlich mit der erwarteten Inflationsmenge steigen. Wird eine Inflation von 2% erwartet, muss der Arbeitgeber automatisch den Arbeitnehmern 2% mehr Gehalt bezahlen. Inflation ist nichts anderes als eine langfristige, allgemeine Preiserhöhung.

Bei einer langfristig immer weiter steigenden Inflation (zu Zeiten einer Hochkonjunktur) muss die Zentralbank den Leitzins erhöhen. Demnach erhöht sich auch der Marktzins und die Inflation reduziert sich, denn bei einem hohen Marktzins lohnt es sich Kapital zu sparen. Damit reduziert sich die Binnennachfrage und die Preise und letztlich das BIP (Bruttoinlandsprodukt) sinken. Die Ziele der Zentralbank sind es, die Stabilität der Arbeitsplätze zu sichern und eine solide Konjunktur zu erhalten.

Wie der Ökonom John Maynard Keynes schon sagte, muss der Staat durch Steuern und anderen Abgaben die Binnennachfrage reduzieren. Wenn die Bürger mehr Steuern zahlen, können sie weniger konsumieren. Die Folge ist ein sinkendes BIP. Die dadurch für den Staat anfallenden Einnahmen, muss er sparen um zu Zeiten eines Konjunkturtiefs dementsprechende Maßnahmen zu treffen um Arbeitsplätze zu schaffen. Dies beispielsweise durch Großprojekte wie der Flughafen Berlin-Brandenburg (BER).

Eine Erhöhung des Leitzinses wertet den Euro auf, denn auf dem internationalen Währungsmarkt steigt nun die Nachfrage nach dem EUR. Es wollen sich ausländische Investoren den hohen Leitzins und somit den hohen Marktzins zu Nutze machen. Es wird teurer ein Darlehn zu bedienen da auch dort die Zinsen steigen. Wenn der Leitzins abgesenkt wird, reduziert sich der Wert des EUR, er wird abgewertet. Es lohnt sich nicht in der Euro Zone Geld zu sparen und Investoren wechseln nun in andere Währungen um bessere Sparzinsen zu erzielen. Demnach steigt das Angebot an Euros auf dem Transfermarkt.

Ein schwacher Euro ist für Deutschland beispielsweise von Vorteil. Die produzierten Waren werden für ausländische Käufer günstiger. Sie müssen weniger ihrer eigenen Währung bezahlen um die Ware in Euro zu kaufen. Deutsch produzierte Waren werden billiger und der Export steigt. Demnach reduziert sich die Arbeitslosenzahl und auf Dauer würde die Inflation wieder steigen. Importierte Waren sind nun teurer. Ein starker Euro würde zwar den Import billiger machen, da aber die Bundesrepublik mehr exportiert als sie importieren lohnt sich ein schwacher Euro.

Beispiel: 1L Erdöl kostet 10 USD. Deutschland muss erst Euro in USD wechseln. Angenommen 1 EUR wäre 2 USD wert. Dann müsste man für 1L Erdöl 5 EUR bezahlen. Währen 1 EUR nun 0,5 USD wert, müsste man für die selbe Menge USD und somit das selbe Produkt 20 EUR bezahlen.

Um Exportbetrieben mehr Planungssicherheit zu geben ist es möglich durch Wechseltermine eine bestimmte Menge Fremdwährung zu einem im Voraus festgelegten Wechselkurs umzutauschen. Ein schwacher Euro lässt also die Exportwirtschaft wachsen, was Arbeitsplätze schafft und auf längere Sicht die Inflation steigert. Demnach muss die Politik mit einer expansiven oder restriktiven (kontraktiven) Fiskalpolitik eingreifen. Bei starker Wirtschaft wird restriktiv, z.B. durch Stärkung des Leitzinses, gehandelt. Ein Konjunkturdämpfer, der die Inflation wieder senkt, den Euro abwertet, somit den Export weniger rentabel macht. Die dadurch resultierende steigende Arbeitslosenzahl senkt die Inflation und der Euro stärkt sich. Eine große EUR Nachfrage führt zu einer weiteren Stärkung bis eine expansive, fiskalpolitische Maßnahme ergriffen wird. Der Euro wird wieder abgewertet und das Spiel beginnt erneut. Dargestellt wird dieses auf und ab am besten durch die Phillips-Kurve (siehe Abbildung oben) die das Verhältnis zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit illustriert.

Die Inflation wird bekanntlich durch den Verbraucherpreisindex (VPI) berechnet. Dieser setzt sich aus festgelegten, alltäglichen Waren des Verbrauchermarktes zusammen. Produkte wie Milch, Brot, Wurst und Butter werden jährlich gekauft. Dabei werden die jetzigen Preise mit den Preisen vom Vorjahr verglichen. Der Differenzwert ist der VPI, woraus sich leicht die Verteuerung (Inflation) errechnen lässt.

Auf diesen VPI nehmen Gewerkschaften bei Tarifverhandlungen und auch Betriebe, bei der Planung, Rücksicht. Viele langfristige Werbe- oder Handelsverträge schließen die erwartete, jährliche Inflationsrate mit ein. Auch beim Gehalt ist jährlich die Inflation bereits mit eingerechnet. Nur bei der Rentenauszahlung sowie bei der Vergabe von Stipendien und Sozialleistungen steigen die Summen nicht. Demnach verlieren besonders Studenten und ältere Menschen, also die finanziell schwachen Gesellschaftsgruppen, jährlich an Kaufkraft. Eine deutliche Schwäche in der heutigen Finanzpolitik.

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